Pressemitteilung: Nahezu 300 Rehkitze gerettet

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Drohneneinsatz für Badische Jäger ein großer Erfolg – Dank an Helfer und Landwirte

„Diesen gigantischen Sonnenaufgang mit Freunden in der Natur zu verbringen und dabei die Kitze als kleine helle Punkte auf meinem Bildschirm zu sehen, ist unbeschreiblich. Wenn dann der Funkspruch kommt: ,Wir haben das Kitz‘, kann man sich in diesem Moment keinen schöneren Ort auf der Welt vorstellen. Wenn man die Gewissheit hat, nun ein Leben gerettet zu haben, geht das echt unter die Haut“, schwärmt einer der Drohnenpiloten vom Drohnenteam der Badischen Jäger Rastatt / Baden-Baden e.V.

Zum Ende der Kitzrettungssaison zieht Dr. Frank Schöder, Kreisjägermeister der Badischen Jäger, eine überaus positive Bilanz und dankt den Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz über mehrere Wochen hinweg. Mit Hilfe von drei Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, konnten insgesamt 296 Kitze vor landwirtschaftlichen Mähwerken gerettet werden. 178 Tiere wurden gefangen und mit einer Marke für das Forschungsprojekt der Wildforschungsstelle markiert. 108 Kitze waren schon so mobil, dass sie vor Beginn des Mähens aus der Wiese vertrieben werden konnten. In dieser Kitzrettungssaison konnte zudem Wildschweine mit acht Frischlingen, die etwa sieben Tage alt waren und weitere sechs Wildschweinrotten gesichtet und aus den zu mähenden Wiesen verjagt werden. Verschont wurden durch den Einsatz der Jäger auch Igel, Junghasen, Hasen, Fasanengelege, eine Rebhuhnkette, Entengelege und Dutzende Fasanen und Fasanenküken. Im vergangenen Jahr konnten die Badischen Jäger mit nur einer Drohne 71 Rehkitze retten. „Die Anschaffung weiterer Drohnen hat sich gelohnt“, so Frank Schröder.

Enges Zeitfenster: Kitzrettungssaison erfordert gute Vorbereitung

Die Kitzrettungssaison startet mit den ersten Silageschnitten Ende April und endet typischerweise Anfang Juli. Der Hauptsetzzeitpunkt der Rehe, also der Zeitraum, in dem die Geiß die Kitze in der Wiese absetzt, ist um den 20. Mai. 90 Prozent der Kitze werden in dem Zeitraum von zehn Tagen davor bis zehn Tagen danach gesetzt.                                                     /2

 

Ein nur wenige Tage altes Kitz zeigt noch keinerlei Fluchtreaktion und kann von den Helfern ganz achtsam mit Handschuhen aufgenommen und in einen Karton oder Jutesack gelegt werden. Ist die Gefahr vorbei, wird es wieder in die Freiheit entlassen. Etwa 14 bis 21 Tage nachdem die Kitze gesetzt wurden, lassen sie sich nicht mehr einfangen, da der Fluchtreflex zu ausgeprägt ist. Ab diesem Zeitpunkt sind sie eigenständig in der Lage, vor dem Mähwerk flüchten.

„Ein Kitzrettungstag ist herausfordernd und beginnt für den Einsatzleiter um 2:45 Uhr“, schildert Tim Messmer, einer der Initiatoren der Kitzrettung: „Im Vorfeld müssen in Abhängigkeit vom Einsatzgebiet diverse flugrechtliche Genehmigungen eingeholt, die Ausrüstung vorbereitet und die Flugeinsätze geübt werden. Liegen die Aufstiegsgenehmigungen in Kontrollzonen, zum Beispiel in der Nähe des Baden Airparks, befliegen wir mit der Drohne die vorprogrammierten Flächen, lotsen die Helfer zu den Kitzen, die die Tiere dann in Sicherheit bringen. Viele freiwillige Helfer, vom Schüler bis zum Selbstständigen, sind dabei im Einsatz.“ Wichtig ist zudem eine enge Abstimmung mit den Landwirten und Jagdpächtern, um den Einsatz schon Vorfeld zu planen. Ein Landwirt ist verpflichtet, geeignete Maßnahmen zur Rettung der Kitze zu veranlassen. „Der Kitzrettungseinsatz ist kostenlos, allerdings spenden praktisch alle Landwirte und Jagdpächter doch erhebliche Beiträge an den Verein Badische Jäger für das Engagement der Retter“, schildert Tim Messmer.

Die Aktion der Badischen Jäger kommt gut an

Insgesamt waren in der zurückliegenden Saison bis zu drei Drohenteams der Badischen Jäger parallel im Einsatz. Die Teamverantwortlichen waren Freya Leibnitz, Steffen Raible, David-Lee Layata, Tim Messmer und Sven Messmer. Tom Seifert, Biotopobmann der Kreisjägervereinigung und hauptberuflicher Landwirt, koordiniert die Einsätze in enger Abstimmung mit Jagdpächtern und Landwirten. Alle elf Drohnenpiloten sind Mitglieder im Kreisverein Badische Jäger e.V. Dieser finanziert die Ausrüstung der Kitzretter, die pro Team mit rund 10.000 Euro zu Buche schlägt. Alle Kitzretter arbeiten ehrenamtlich. Der Lohn für die Retter ist ein Frühstück nach dem Einsatz und ein Helferfest in Loffenau.

Die Aktion der Badischen Jäger kommt gut an. So lobt ein Landwirt aus Schiftung: „Das ist eine tolle Sache mit den Drohnen, wenn wir die Technik haben, dann müssen wir sie auch nutzen. Wenn man dann weiß, dass keine Kitze mehr in der Wiese liegen, macht das Mähen gleich noch viel mehr Freude.“ Auch die Helfer haben Spaß: Einer der insgesamt rund 60 Kitzretter ist 13 Jahre alt, und das dritte Mal in Folge mit seiner Mutter dabei. „Zuerst hatte ich keine Lust, schon morgens um drei Uhr aufzustehen, aber meine Mama hat mich überredet doch mitzukommen. Jetzt finde ich Kitze retten superspannend – ab jetzt komme ich jedes Mal mit meiner Mama mit!“

 

  • Foto Kitzretterin (Freya Leibnitz) mit Kitz: Tim Messmer
  • Foto Kitzretter (Tim Messmer) mit Kitz: Sven Messmer (auf dem Foto mit Kitz: Tim Messmer)
  • Foto Drohnenflug: Markus Lotz